Willkommen bei Aktives Lernen

Ich habe diese Webseite für alle Teilnehmer der deutschen Bildungsgestaltung eingerichtet die mehr über schülerzentrierte pädagogische Ansätze erfahren möchten und sich zum Thema austauschen möchten.

Es gibt in Deutschland nur wenige Berater die aktives, evidenz-basiertes Lernen nicht nur aus der Theorie oder vereinzelten Studien kennen, sondern der gelebten Praxis. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass Reformschulen in Deutschland durch ihre historisch gewachsenen Gründungsphilosophien keine explizit wissenschaftlich-fundierten Ansätze verfolgen während auf der anderen Seite die meisten öffentlichen Bildungsinstitutionen durch fehlende Freiräume und Ressourcen gar nicht die Gelegenheit bekommen die positiven Dynamiken einer aktiven Pädagogik kennenzulernen.

JSK8Mein Name ist Joana Kompa und ich bin Bildungsexpertin für schülerzentrierte Pädagogik. Unter der Leitung von Prof. Howard Barrows, einem der Gründer Problembasierten Lernens (PBL) wurde ich in Kanada in konstruktivistischer Pädagogik ausgebildet. Als Fachberaterin für PBL arbeitete ich unter der Schirmherrschaft des Erziehungsministeriums in Singapur an der Implementierung von PBL für die Temasek Fachhochschule. Unser Team war für die Systemumstellung von einer lehrerzentrierten zu einer schülerzentrierten Pädagogik von insgesamt 15,000 Studenten zuständig.  Unsere Aufgaben umfassten die Schulung von Lehrkräften, die Neuformulierung von Curricula sowie die akademische Qualitätssicherung. Meine internationale Zertifizierung als Lehrkraft in der postsekundären Bildung erhielt ich von der Staff and Educational Development Association (SEDA) in England und meine Zusatzausbildung als Online Tutor genoss ich an der Universität Oxford.

Da die jüngste Schülergeneration (wir nennen sie ‚digital natives‘) mit digitalen Medien schon früh versiert umgeht, ist deren Nutzung eine große Chance den Unterricht vielseitiger, anspruchsvoller und effektiver zu gestalten. Darüber hinaus sollte Schule kritisches Denken und kreative Initiativen fördern. Das Lernen soll Freude machen und soll zur persönlichen wie der beruflichen Entwicklung junger Menschen beitragen. In der neuen Wirtschaftsordnung 4.0 werden die Fähigkeiten der Kooperation, der Entwicklung innovativer Lösungen und des verantwortungsvollen Handelns gefragt. Hierin liegt eine große Chance und es ist höchste Zeit unsere Schülerinnen und Schüler darauf vorzubereiten. Dies betrifft auch das vernachlässigte Thema individueller persönlicher Entwicklung während der gesamten Lebensspanne. In westlichen Gesellschaften ist lebenslanges Lernen ein entscheidender Prädikator für würdevolles Altern und eine größtmögliche soziale Partizipation während aller Lebensphasen.

Ich lade Sie herzlich dazu ein sich auf den folgenden Seiten zum Thema aktives Lernen zu informieren. Falls Sie Fragen zu einer schülerorientierten Pädagogik und deren praktische Umsetzung haben sollten und sich zu innovativen Bildungsmodellen austauschen möchten, setzen Sie sich mit mir in Kontakt. Ich bin über frische Gedanken und Anregungen zu Thema dankbar und freue mich von Ihnen zu hören!

Mit kollegialen Grüßen,

Joana Kompa

M.Sc. Applied Psychology (University of Liverpool)

Problembasiertes Lernen (PBL)

Problembasiertes Lernen (PBL) ist die Königsdisziplin aktiver Pädagogik. Schüler arbeiten in Kleingruppen mit authentischen Problemen und nehmen dabei unterschiedlichen Perspektiven ein. Erworbenes Wissen ist nicht auf isolierte Situationen und Fälle begrenzt sondern erstreckt sich über eine multiple Kontexte. Schüler übernehmen Verantwortung für den Erwerb neuen Wissens und werden von einem Tutor (Coach) während ihres Lernprozesses begleitet und angeregt. Jegliche Unterstützung sowie zusätzliche Lernangebote erfolgen adaptiv und nicht belehrend. Schülerinnen und Schüler entwickeln dabei wertvolle individuelle sowie soziale Fähigkeiten. Kritisches und kreatives Denken (metakognitive Kompetenzen) spielen in PBL eine zentrale Rolle, ebenso wie eine Stärkung der Autonomie und Problemlösungskompetenzen. Als konstruktivistische Pädagogik ist PBL auch mit dem Phenomenon-based Learning in Finnland verwandt.

Ursprünglich wurde PBL für Studiengänge in der Medizin entwickelt, also überall wo es um komplexe Zusammenhänge geht. Beurteilt werden Schüler gemäß ihrer Leistungen die sie in ihren verschiedenen Rollen erbracht haben. Dabei liegt der Fokus auf der Weiterentwicklung individueller Kompetenzen sowie der Optimierung des Teamworks. Das gesamte Team ist mehr als die Summe seiner einzelnen Mitglieder. Anders als Arbeit in Projektgruppen folgt PBL einer internen Problemlösungslogik während ein Tutor (oder Coach) die Gruppe anhand metakognitiver Kriterien leitet.

Zusammenfassung: PBL bereitet Schülerinnen und Schüler auf das lebenslange Lernen in einer von der Globalisierung und Digitalisierung geprägten Gesellschaft vor. PBL entwickelt Eigeninitiative (intrinsische Motivation) and verantwortungvolles, zukunftsorientiertes Handeln mit anderen. PBL ist eine wissenschaflich fundierte und seit Jahrzehnten international erprobte aktive (konstruktivistische) Pädagogik. Mehr Informationen zu dem ursprünglichen PBL (dem sogenannten McMaster Modell), dem hybriden hPBL (Harvard Modell) und P5BL (Stanford Modell) finden Sie hier.

Angebote: Train-the-Trainers Programme und Weiterbildung von Lehrkräften, Beratung beim Design von Curricula, der Formulierung von Lernzielen und Problemen, Hilfe bei der praktischen Implementation und dem Qualitätsmanagement

Digitale Medien für aktives Lernen

Ein Laptop ist noch kein Erziehungsmodell. Online Lernmodelle richten sich vor allen nach dem Alter der Schüler oder Studenten und den zugrundeliegenden Bildungszielen. Sollen komplette Online Lernplattformen entstehen oder sollen digitale Medien effektiv in den regulären Unterricht integriert werden? Bei letzterer Lösung spricht man im Englischen von Flipped Classrooms oder Blended Learning, also ‚Umgedrehte Klassenzimmer‘ oder ‚Gemischtes Lernen‘. Damit ist gemeint, dass Schüler sich einfacheres Wissen und Fertigkeiten daheim im Selbststudium selbst erarbeiten, etwa durch instruktionelle Videos oder Online Quizze, um dann im Klassenzimmer komplexeres Aufgaben verstehen und weiterentwickeln zu können. Das hat zu einen den Vorteil, dass sich Schüler an eigenverantwortliches Lernen gewöhnen und zum anderen die wertvolle Zeit im Klassenzimmer dazu genutzt wird höhere kognitive und soziale Fähigkeiten zu entwickeln und anzuwenden. Die traditionellen Hausaufgaben, also die Anwendung neuen Wissens werden also in das Klassenzimmer verlegt während einfachere instruktionelle Fertigkeiten als Hausaufgabe gegeben werden, daher der Ausdruck ‚flipped‘ (umgekehrt/ umgedreht). Beim Blended Learning werden dagegen ausgewählte Lernmaterialien online gestellt.

Beide Ansätze werden bereits erfolgreich in der ganzen Welt angewandt, erfordern jedoch eine klare Strukturierung der Lernziele (learning outcomes) im Curriculum. Zum Beispiel müssen spezifische von allgemeinen Lernzielen klar unterschieden werden und Lehrkräfte müssen sicherstellen, dass alle Schüler mit den neuen Medien zurechtkommen. Mit höherem Alter können komplexere Lernprozesse online stattfinden, etwa in der Form von Computersimulationen, Rollenspielen, Lernen unter vernetzten Gruppen (Peer-to-Peer Learning) und der kompletten Lösung authentischer Probleme. Eine Herausforderung ist einmal die Bereitstellung geeigneter Online Lernplattformen, deren ständige Aktualisierung sowie zusätzliche Zeit für Lehrkräfte aktives digitales Lernen zu planen, bereitzustellen und zu verwalten.

Zusammenfassung: Das digitale Klassenzimmer fördert die Selbstverantwortlichkeit von Studenten für ihr Lernen. Die wertvolle Zeit und der persönliche Kontakt im ‚analogen‘ Klassenzimmer kann mithilfe digitaler Modelle besser genutzt werden. Flipped Classrooms oder Blended Learning erfordern im Gegenzug mehr Vorbereitungszeit für Lehrkräfte und basieren auf deren Kompetenz Lerninhalte online zur Verfügung zu stellen. Mehr zum Thema digitales Lernen gibt es hier.

Angebote: Beratung bei der Einrichtung digitaler Lernmodelle, Strukturierung von Curricula für die Einbeziehung digitaler Medien, Prototyping und empirische Evaluierung

 

Coaching

Nicht alle Institutionen sind dazu in der Lage großangelegte pädagogische Reformen durchzuführen, wünschen sich aber eine mehr schülerorientierte Schulpraxis in Rahmen ihrer Möglichkeiten. In diesem Fall ist es sinnvoll Lehrkräfte als professionelle Coaches und Teamleiter weiterzubilden.

Gutes Coaching funktioniert gleichermassen auf individueller- wie auf Teamebene. Es können Projekte von Schülern, etwa für Abschlußarbeiten, individuell begleitet oder in einer Gruppe unter der Anleitung eines Tutors gefördert werden. Der Vorteil der Einbindung eines Tutors ist es, dass Studenten die gesteckten Lernziele durch Selbstoptimierung erreichen können. Auch hier gilt das alte Sprichwort ‚Ohne Fleiß keinen Preis‘, nur dass der Preis im Erlernen neuen Wissens und neuer Fähigkeiten besteht und nicht im vordergründigen Streben nach besseren Noten wie in traditionellem lehrerzentrierten Lernen. In aktiver Pädagogik stehen die Lernenden im Zentrum der Wissenskonstruktion und deren Anwendung, nicht die Lehrer.

Mehr Details zu Coaching gibt es hier.