WP_20170927_12_00_51_Pro

Photo: Prof. Dr. Hilda Borko zum Thema diskursiver Praktiken von Lehrkräften während der Educational Research and Governance Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft in Tübingen, 2017

Allgemeine Ziele eines guten Coaching

Coaching hat zum Ziel, selbstmotiviertes Lernen und eigenständiges Denken und Handeln von Studierenden zu fördern. Dies kann durch verschiedene diskursive Interventionen geschehen, vor allem durch

  • Interaktive Gesprächsformate
  • Schüler-initiierte und geleitete Gruppendiskussionen
  • Hohe kognitive Unterstützung der Diskussionen auf Seiten der Lehrkräfte

Prof. Hilda Borko von der Lawrence Hall of Science & Stanford Graduate School of Education operationalisierte die diskursiven Kompetenzen von Lehrkräften durch ein 3-Stufenmodell. Auf der ersten Stufe lädt die Lehrkraft die Studierenden dazu ein Fakten zusammenzufassen und Beobachtungen zu formulieren. Auf der zweiten Stufe werden Hypothesen und Behauptungen formuliert. Fakten werden mit Ideen verbunden. Auf der dritten Stufe werden Behauptungen und Argumente begründet, verglichen und kritisiert. Diese kognitiven und metakognitiven Stufen lassen sich innerhalb einer Diskursanalyse operationalisieren um den Grad mentaler Interaktion während des Lernprozesses zu analysieren, zum Beispiel durch Videoanalysen, Audioaufnahmen oder Peer Assessment mit anderen Lehrkräften.

Aufgaben eines Tutors in Gruppenprozessen

Nach Barrows stellt ein guter Coach oder Tutor sicher, dass alle Studenten im Lernprozess eingebunden sind und zu jeder Zeit Fragen stellen können. Ein Coach ist verantwortlich für die Diagnose und die Überwachung der Lernprozesse individueller Schüler und moduliert die Schwierigkeit der vorgebrachten Beiträge. Lernende sollten sich weder langweilen durch Lernprozesse die zu langsam oder zu einfach vonstattengehen und sie sollten sich ebenso nicht durch zu schwierige und komplexe Zusammenhänge überfordert und frustriert fühlen. Ein Tutor ist zudem für das Lerntempo der Gruppe verantwortlich und stellt sicher, dass die Gruppe sich nicht in irrelevanten Detailfragen verläuft und Lernziele rechtzeitig erreicht.

Kognitive und metakognitive Fragestellungen

Kognitive Fragestellungen proben mentale Inhalte zum Beispiel, Was hast Du herausgefunden? Wie könnte man dies zusammenfassen? Was bedeutet das? Kannst Du ein Beispiel nennen? Was denkst Du? Kannst Du dies etwas genauer beschreiben? etc. Metakognitive Fragen proben dagegen die kognitive Steuerung welche den Inhalten zugrunde liegt, etwa, Was ist der Grund Deiner Annahme? Worauf begründet sich Dein Argument? Gibt es eventuell auch andere Erklärungen hierfür? Warum denkst Du das? Wie kann man dieses Phänomen verstehen? etc. Die Formulierung kognitiver wie metakognitive Fragen ist ein sehr anspruchsvolles Thema. Zudem hat sich kritisches Denken und die Kunst rationalen Argumentierens als eine eigene Disziplin etabliert.

Einige hilfreiche Literaturhinweise seien zum Thema erwähnt:

Barrows, H. S. (1992). The tutorial process. Springfield, Ill: Southern Illinois University School of Medicine.

Kuhn, D. (2008). Education for thinking. Cambridge, Mass: Harvard University Press.

Kuhn, D. (1991). The skills of argument. Cambridge: Cambridge University Press.

Barrows beschreibt wie Fragestellungen innerhalb des Lernprozesses vom Tutor angewandt werden während Deanna Kuhn sich auf die Logik des Argumentierens spezialisiert hat. Eine ausführliche englischsprachige Literaturkritik zu metakognitiven Kompetenzen finden Sie auf meinem englischsprachigen Blog.


Zusammenfassung: Coaching ist die Basiskompetenz effektiver Lehrkräfte. Ziel ist es, selbstständiges Lernen, Denken und Argumentieren von Schülern zu fördern. Coaches, die sich für die Arbeit in Kleingruppen weiterqualifiziert haben, werden als Tutoren bezeichnet.